Montag, 2. November 2015

Türkei - immer ostwärts bis an die iranische Grenze

Es wird merklich kühl in Anatolien. 
Hier oben auf 1400 m Höhe kehrt schon sehr deutlich der Herbst ein. Die Getreidefelder sind schon längst abgeerntet und nun werden Berge von Zuckerrüben eingeholt. Tagsüber ist die Sonne noch sehr stark, doch in der Nacht sinken die Temperaturen deutlich ins Minus.
Seit 5 Wochen sind wir nunmehr in der Türkei, 5 Wochen mit sehr unterschiedlichen Erlebnissen in Kultur und Temperatur.
Haben wir die ersten 4 Wochen überwiegend im Sommer an der Süd-West Küste verbracht, so sind wir jetzt im tiefen Herbst der anatolischen Hochebene angelangt.

Nun der Reihe nach:
Jetzt sind wir da, im Land der Granatapfelbäume.


Es ist nicht übertrieben, denn genau jetzt sieht man sie überall. Es ist Erntezeit der dicken roten Früchte. In fast jedem Garten an der Küste sieht man sie die Punica granatum. Auf jedem Markt werden sie feil geboten und am Straßenrand bei jedem Bauern. Aus den Granatäpfeln wird Essig, Sirup, Tee, Gelee und natürlich auch Saft gemacht. Früher galt diese Frucht als Symbol der Fruchtbarkeit. Kein Wunder, enthält Ihre ledrige Schale doch unzählige Samenkerne eingehüllt in die schmackhafte Saftzelle. Sobald die reife Frucht auf einen harten Untergrund fällt.... dann wird sie zur Granate.

Kulturell ist die Türkei auch eine Granate.
Es ist das weltgrößte OPENAIR Freilichtmuseum für hellenistische, römische, hethitische und osmanische Kultur, um nur die Wesentlichen zu nennen.
Uns begeisterte immer wieder alles Griechisch- Römische. Und dies in einer Fülle wie sie kaum darstellbar ist. Ohne den Leser zu langweilen, wollen wir nur eine kurze Aufzählung der Ausgrabungen geben die wir besuchten.
Troja, Alexandria Troas, Assos, Pergamon, Ephesos, Priene, Milet, Didyma, Aphrodisias, Xanthos, Myra, Olympos und Aspendos.
Immer fängt es mit dem Steinbruch an - hier in Myra
Eines haben alle antiken Städte gemeinsam. Sie liegen immer in traumhaften landschaftlichen Locations , sowohl am Meer als auch in sehr schönen Tälern, Gebirgen oder Ebenen.
Steinmetze lernen Skulpuren zu hauen - Rohling im Ephesus Museum
Probestücke der antiken Steinmetz Meisterschule in Aphrodisias
Gemeinsam haben alle römischen Städte eines: Man gebe den Römern vorbildlich behauene Quader, exakt runde Säulen und Tonröhren für Unter- und Überdruck Wassersysteme – dann bauen Sie damit die tollsten Thermen, Amphitheather, Tempel, Agoren, Odeien, Aquädukte, Kolonaden und natürlich schöne Wohnhäuser.
Amphitheather in Assos gegenüber der Insel Lesbos
Celsius Bibliothek in Ephesus
Bouleuterion (Stadtratssaal) in Priene
Wohnhaus in Ephesus








Apollo Heiligtum in Didyma

Didyma
Theater von Milet
Medusenkopf in Didyma

Vollständig erhaltenes Theater in Aspendos

Stadion in Aphrodisia
Aquädukt in Aspendos

Odeion in Troja

Hafen in Alexandria Troas

Aktuelle Ausgrabung in Alexandria Troas

Gesimse in Alexandria Troas

Traumlage der Agora in Assos

Straße in Assos mit Kanal

Auch Schildkröten lieben Ausgrabungen. An einem Tag hatten wir 9 gesehen. Einer wurde von Irmgard das Leben gerettet, denn sie lag auf dem Rücken zwischen Steinen und hatte keine Chance mehr sich aus eigener Kraft zu drehen.


 Für den Womo Fahrer ist die Türkei immer noch ein Paradies – sofern man die Sommerferien der rund 90 Millionen Türken meidet. Wir fanden jetzt in der Nachsaison die schönsten Plätze des Mittelmeeres, badewannenwarmes Wasser und durftende Pinienhaine. Fahrt hierher, noch gibt es keine Womo Verbotsschilder !!!















Landschaftlich hat uns ganz besonders Kappadokien begeistert. Eine bizzare Gegend voller Feentürme und Höhlenkirchen aus dem Tuffstein der nahe gelegenen Vulkane . Und als Besonderheit die morgentlichen Ballonfahrten in den Sonnenaufgang. Wir haben über 100 Ballone gezählt, im Sommer sollen es schon mal an die 200 sein. Die Farben dieser Ballone über dieser majestätischen und ruhigen Landschaft um 5 Uhr waren ein unvergessliches Erlebnis.
















Türkei der Osten

Nach fast 7000 km haben wir den äußersten Osten der Türkei erreicht.
Nun befinden wir uns auf Seidenstrasse gen Osten. Nach jeweils 30 - 40 km tauchen Karawansereien in gut erhaltenem Zustand auf. Sie boten noch den letzten Kamel und Eselkarawanen bis im 19 Jahrhundert Schutz für die Nacht.



Immer weiter Richtung Osten bewegen wir uns fortwährend auf Höhen zwischen 1500 und 2000 m.
Übernachtungsplatz am Tödürge Gölü in der Nähe von Sivas

Wir erreichen den Oberlauf des Euphrat und waschen unsere Hände im biblischen Fluß.
Der Euphrat ist auch am Oberlauf schon ein mächtiger Strom.


  Später sehen zum ersten Mal den Berg Ararat (5139 m) an dem die Arche Noah gestrandet sein soll.
Der Vulkan Ararat ist 1840 zu letzten Mal ausgebrochen.
Hoch über Dogubayazit liegt der Ishak-Pasha-Palast.











Dem frisch vermählten Brautpaar die besten Wünsche...


Der Türke als Mensch:
Ein entspannter ruhiger Geselle im Teehaus jedoch hinterm Steuer unberechenbar. Auf der Straße in Gegenwart anderer Frauen ein Macho, Zuhause jedoch scheinen die Bayan (Ehefrau) das Regiment zu führend. Ein fleißiges Volk. Zurückhaltend und bisweilen sehr scheu uns als Touristen gegenüber.

Essen:



Die Märkte sind bunt und mit Allem was das Herz begehrt bestückt. Und das Besondere: Die Früchte sind Früchte, und entsprechen noch keiner geschmacklosen EU-Norm. Nur das Brot – hier sagen sie Ekmek dazu - trifft nicht unseren Geschmack. Es ist meist geschmacklos und lappig.
In den Lokantas gibt’s für wenig Geld frisch gekochte Speisen der Bayan – das sind die meist etwas gewichtigeren Frauen. Kochen können Sie …. Ihnen schmeckt es und uns auch.
Mit dem Zeigefinger kann man sich sein tollstes Menue zusammenstellen.

Getränke:
Hier gibt es so sonderbare Dinge wie Ayran. Auf den ersten Blick sieht es aus wie weißes Bier und wird auch gelegentlich in Krügen serviert. Es ist aber leider nur nur ein schäumiges, leicht säuerliches Joghurtgetränk. Das gibt’s zum Essen dazu, na ja, man gewöhnt sich daran.
Immer und überall trinkt man Cay, den leckeren kräftigen schwarzen Tee der Schwarzmeerküste.

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